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Raabes Werk

Raabes Werke sind nach wie vor aktuell. Über siebzig Romane, Erzählungen und Novellen von Wilhelm Raabe sind veröffentlicht worden. Überwiegend Frauen, insbesondere Mütter, alte Frauen, allerdings auch alte, häufig invalide Männer und Kinder sind die Heldinnen/Helden in seinen Werken. Vielfach Personen, die am Rande der Existenz stehen und unbeachtet sind. Außenseiter der Gesellschaft steigen in seinen Büchern zu wahren Heldentum auf. Vorbehalte, sicherlich auch auf Grund seines eigenen Lebenslaufes, gegen die herkömmliche Schulbildung und das so genannte Bildungsbürgertum, von ihm häufig Philister genannt, sind deutlich erkennbar.
Der Lebenskampf war das Hauptthema in seinen Werken, die er häufig in schonungsloser Offenheit verfasste. Unbequem war Raabe auch in politischer Hinsicht, er wurde zu seinen Lebzeiten häufig nicht verstanden. Mit Themen, die wir heute mit dem Begriff "Ökologie" belegen. Er beobachtete die Folgen der Landflucht ebenso wie den Bauboom und den hemmungslosen Wildwuchs moderner Stadtentwicklung.

Heute muss man verblüfft feststellen, dass mehr als hundert Jahre vergehen mussten, bis Teile der Gesellschaft, Bürgerinitiativen und Politiker begannen, nicht jede Ausbaumaßnahme von Straßen, Trassen oder Plätzen als Fortschritt zu begreifen. Besondere umweltschützende Probleme der Stadtentwicklung beschreibt Raabe dann, wenn deren Folgen ökologische Veränderungen sind. Natürlich registrierte er in seinen Werken auch die negativen Folgen der sich ausbreitenden industriellen Revolution und des langsam aufkommenden Massentourismus. Aber auch mit der damals schon immer intensiver betriebenen Land- und Forstwirtschaft ging er hart ins Gericht.

Seine Werke, deren Bedeutung zu seinen Lebzeiten nur von einem kleinen Publikum erkannt wurde, sind heute immer noch von erstaunlicher Aktualität.

Sein jüngerer Schriftstellerkollege und Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse, der Raabe 1909 besucht hat, sagte von ihm: "Die Literatur spricht von ihm mit Achtung, sie kennt ihn, sie hat Notiz von ihm genommen, aber das einmalige und innigste seiner Dichtung, das eigentliche Wunder seiner Person und seines Wortes ist immer noch nicht eigentlich erkannt und als ewiger Wert anerkannt.....man wird vielleicht in einem späteren Deutschland, ihn doch erkennen; er hat die Anwartschaft darauf, denn er hat jenes die Kritik verwirrende Plus, jene Dimension zuviel, die so schwer einreihen ist und die sich mit der Zeit doch meistens durchsetzt."

Und kein geringerer als Konrad Adenauer sagte von ihm: ”Wilhelm Raabe ist zwar der Schilderer des deutschen Volkes vor 1870, aber er hat auch unserer Zeit etwas zu sagen, weil sein dichterisches Erleben von tiefster Menschlichkeit erfüllt und daher zeitlos ist. Gerade der moderne Mensch, der den politischen und sozialen Zusammenbruch, die seelischen Nöte unserer Tage miterlebt hat, wird aus dem Beispiel der von Raabe geformten Menschen Trost und Kraft schöpfen, wird den Glauben an den endlichen Sieg des Guten und Edlen wiedergewinnen können. Darum bleibt Raabes Vermächtnis unverlierbares deutsches Volksgut.”